Hausmittel, Medikamente oder Arzt: Grippe und andere Alltagskrankheiten

Ich habe die Grippe! – Dieser Satz ist meistens mit einer verstopften Nase, einem kratzigen Hals und einer vor Müdigkeit und Mattigkeit leisen Stimme verbunden. Dabei ist es gar nicht die Grippe; zumindest in den meisten Fällen handelt es sich um einen Atemwegsinfekt, eine Erkältung oder einen Schnupfen also. Dieser geht natürlich mit wirklich unangenehmen Symptomen einher, wie schon beschrieben gehören Halsschmerzen und Erschöpfung dazu, oft auch Fieber, ein schlimmer Husten und anderes. Die wirkliche Grippe ist eine Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird, während die Erkältung bakterieller Herkunft ist. Also gibt es gegen die Atemwegsinfektionen durch Bakterien Hilfe, während die Grippe bedeutend gefährlicher ist und nur bedingt durch Medikamente behandelt werden kann. Lediglich fiebersenkende Mittel, Schmerzmittel und andere Medizin können hier die Symptome bekämpfen – gegen die Viren hilft meistens nur das Schwitzen. Alljährlich sterben an der Grippe alleine in Deutschland viele Menschen, während Erkältungskrankheiten nur selten zum Tode führen, weil hier einfach viel besser gegen die Erreger angekämpft werden kann.

Die Grippe tritt meistens in Wellen auf, die dann für volle Wartezimmer bei den Ärzten führen. Auch ein bakterieller Infekt der Atemwege sollte vom Arzt untersucht werden, sofern nach den ersten Tagen mit den bekannten Hausmitteln nicht eine Besserung festzustellen ist. Wer von der Arbeit zu Hause bleibt, weil ihm das Fieber und Gelenkschmerzen zu schaffen machen, muss ohnehin zum Hausarzt, um sich krankschreiben zu lassen. Doch auch ohne diese Formalität darf man nicht zu leichtfertig sein. Die schmerzenden Gelenke im Whirlpool zu kurieren, einige Aspirin, Halspastillen und heißen Tee zu trinken: Das ist eine Art der Abhilfe. Verschleppte Krankheiten können jedoch chronisch werden und sich im schlimmsten Falle sogar auf das Herz schlagen. Dann sind die Folgen einer zunächst harmlosen und alltäglichen Krankheit drastisch.

Kranke zu Hause pflegen – Hilfe holen, wenn nötig

Schon eine Mutter mit einem Kind, das an einer Kinderkrankheit leidet, ist manchmal überfordert. Der Haushalt, vielleicht eine berufliche Verpflichtung, und dann ein bedauernswertes Kleinkind, das an schlimmem Fieber und juckenden Pusteln leidet: Die Situation ist nicht einfach. Wie gerne würde sich diese Mutter – übermüdet und voller Sorgen – einfach in ihr Wasserbett legen, das Kind neben sich und: schlafen! Doch das geht nicht, da das Fieber überwacht werden muss. Immer wieder Fieber zu messen, die vom Arzt verordneten Medikamente pünktlich und exakt zu verabreichen: Das sind die Pflichten, die nun wahrzunehmen sind. Doch Hilfe – außer die fachliche Kompetenz vom Arzt – ist hier gar nicht so leicht zu bekommen. Die Omas sind vielleicht noch eine Entlastung, um eventuell einige Stunden Schlaf zu bekommen und das Kind dennoch nicht alleine zu lassen. Am Abend kann der Ehemann helfen, wenn er von der Arbeit kommt. Den Rest der oft langwierigen Pflege zu Hause muss die Mama alleine bewältigen.

Schlimmer ist es, wenn ein Pflegefall in der Familie zu beklagen ist. Hier geht es oft 24 Stunden am Tag zur Sache, selbst, wenn ein Pflegedienst in die Arbeit involviert ist. Je nach Krankheitsbild, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, in der finalen Phase bei Krebs, gibt es unterschiedliche Arten der Hilfestellung, die ein Patient benötigt. Es kann sein, dass er nur beim Waschen oder Anziehen etwas Hilfe braucht. Andererseits gibt es auch Pflegefälle, die bettlägerig geworden sind, die dann entsprechend auch umgelagert werden müssen, denen man Essen verabreichen oder die parenterale Ernährung zukommen lassen muss. Eine umfassende Überwachung, mit einem Gespür ähnlich einem Ermittler, ist erforderlich, wenn sich der Patient nicht mehr äußern kann, was ihn schmerzt, ob er Hunger oder Durst hat. Zudem ist die Inkontinenz ein Problem, die den Windelwechsel, die Katheter Pflege und einen Berg Wäsche beinhaltet. Wer sich bewusst gegen das Pflegeheim und für die häusliche Pflege entscheidet, bürdet sich damit Verpflichtung und Verantwortung auf. Die Arbeit nimmt kaum ein Ende, die Freizeit ist begrenzt – schon durch die dauerhafte Versorgung, die nicht einmal schnell wegen eines romantischen Abends mit dem Ehepartner unterbrochen werden kann. Der Pflegedienst, meist mit kleinen Autos ausgerüstet, kommt manchmal auch öfter am Tag ins Haus. Hier ist Hilfe zum Beispiel beim Baden, beim Lagern oder bei der Medikamentengabe zu erwarten. Die vielen anderen Handgriffe und ein liebevolles Betreuen: Das liegt in der Hand der Angehörigen, die sich für die Pflege entschieden haben.

Krankenhaus und Pflegeheim: Unangenehme Orte?

Im Prinzip wollen Ärzte und Pflegepersonal es den Menschen, die oft aus ganz banalen Gründen im Krankenhaus liegen, so angenehm wie möglich machen. Auch im Pflegeheim sollen es die Patienten schön haben. Dennoch ist heute der Personalmangel, verursacht durch Sparmaßnahmen, deutlich spürbar. Oft liegen Patienten über Stunden alleine in einem Zimmer, bekommen nur vom Besuch und zu den Mahlzeiten etwas Aufmerksamkeit. Die Schwestern und Pfleger sind durch Verwaltungsarbeit und die schweren Fälle so beansprucht, dass kaum Zeit für anderes bleibt. Die gesamte Pflege muss für die Krankenkasse dokumentiert werden, sodass die Schwestern viel Zeit vor dem Computer verbringen, die Medikamentengabe, die Pflegearbeit und die Genesung oder Verschlimmerung der Krankheit dokumentieren. Zugleich wird jede Krankenkurve aber auch noch von Hand geführt. Die im PC auf der Station gespeicherten Daten vereinfachen das Abrechnen, bedeuten aber für die Schwestern durchweg Mehraufwand.

Durch den Wegfall der Wehrpflicht wird es noch schlimmer, da nun ja auch keine Verpflichtung mehr für den Zivildienst besteht. Kostenersparnis durch Personalmangel: Das ist ein Problem, das die Schwestern in ihren weißen Trachten durchaus verstehen – sie sind nur machtlos, da sie nichts gegen die Haushaltskürzungen in öffentlichen Einrichtungen tun können. Auch Praktikanten gibt es nicht so viele, dass diese das Füttern von Patienten und Hilfsarbeiten auf der Station aus dem Arbeitsaufwand der Pfleger und Schwestern verschwinden lassen könnten.

Eine private Trägerschaft für ein Krankenhaus ist in Deutschland eine eher seltene Sache. Dies wird eher in anderen Ländern, hierzulande nur von wenigen Ärzten praktiziert, zum Beispiel im Bereich der Schönheitschirurgie. Schon eher gibt es Einrichtungen zur Kurzzeitpflege oder auch Dauerpflege, die dann von privaten Investoren ins Leben gerufen werden. Die Immobilien müssen beschafft, für Personal gesorgt und ein Management zusammengestellt werden. Die Patienten, die hier zur Pflege untergebracht sind, bringen die Einnahmen: Die Pflegegelder der Pflegekassen und private Zahlungen finanzieren die Einrichtung. In diesen Pflegeheimen – ebenso, wie in den staatlichen Einrichtungen – ist von Grippe oder Erkältung eher nur als Nebensache die Rede. Die Krankheiten, die hier vorliegen, sind bedeutend schwerer und nehmen den Patienten die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Demenz, Alzheimer, Schlaganfall und ähnliche Schicksale führen in das Pflegeheim, wenn die Angehörigen die Pflege nicht alleine stemmen können oder wollen.

Wissenswertes rund um Krankheiten

Sowohl, was die Vermeidung, das richtige Behandeln, aber auch gesetzliche Belange und Versicherungen in Sachen Krankheit betrifft, sind viele Menschen reichlich wenig informiert. Schnell vertut sich ein Mensch, wenn es um das Feststellen einer Erkrankung geht. Der vermeintliche Hexenschuss entpuppt sich nach einem Arztbesuch als Nierenbeckenentzündung, die durchaus gefährlich werden kann – geholt hat der Patient sich diese Infektion bei einer Feier am Gasgrill, im leichten T-Shirt und bei abendlichem kaltem Wind, sitzend auf einer kühlen Holzbank. Die Thrombose wurde zunächst für einen Muskelkater gehalten, der steife Nacken als Muskelproblem – endend auf der Intensivstation, nach der Diagnose Hirnhautentzündung durch Zeckenbiss. Oft warten die Menschen viel zu lange mit dem Arztbesuch, versuchen Hausmittel und harren der Dinge, die da kommen. Auf der anderen Seite gibt es auch viel zu viele Patienten, die schon beim kleinsten Zipperlein vom Schlimmsten ausgehen und sich sofort in ärztliche oder notärztliche Behandlung begeben.

Die Vermeidung von Krankheiten ist oft einfach eine gesunde Lebensweise. Das warme Anziehen bei kühler Umgebung ist – wie bereits erwähnt, schon wegen Erkältung und Nierenschutz so eine Sache, aber auch das Tragen richtiger Schuhe, die viele Rückenprobleme, Gelenkkrankheiten und andere Beschwerden gar nicht erst zum Thema werden lassen. Sparsamkeit am völlig falschen Platz ist hier zu beklagen. Sport, gesundes und ausgewogenes Essen, ausreichend Ruhe und wenig Stress: Wer kann sein Leben schon in so geordneten Bahnen verbringen, sodass das Risiko schwerer Krankheiten wirklich gering bleibt?

Ins andere Extrem geht es, wenn sich die Menschen von der Schulmedizin abwenden, um Naturheilkunde oder andere manchmal recht zweifelhafte Heilmethoden bevorzugen. Immer wieder gibt es eklatante Fälle in den Medien, in denen zum Beispiel Eltern den Ärzten die Behandlung des Kindes untersagen und bei Wunderheilern das Wohl des krebskranken Kindes sehen. Magnetschmuck kann Vorteile für die Gesundheit haben – dieser Schmuck ersetzt jedoch nicht den kompetenten Blick und die Untersuchungen eines Arztes, ebenso, wie Globuli ein sinnvolles und unterstützendes Heilmittel sind, aber nicht jede Medizin aus den pharmazeutischen Unternehmen austauschen können.

Nicht selten artet das „zu gesunde Leben“ auch in einen Gesundheitswahn mit begleitender Hypochondrie aus. Da wird die Dunstabzugshaube in der Küche zum Klassenfeind, weil sich in die Kochschwaden bestimmt auch Bakterien mischen und den Einsatz hochgradiger Desinfektionsmittel hier und auch in der restlichen Küche scheinbar nötig machen. Überzogene Hygiene im Lebensraum, ein körperbezogener Waschzwang und das absolute Vermeiden für die Gesundheit riskanter Dinge machen eher krank, als dass diese Lebensweise Sinn machen könnte. Das gesunde Mittelmaß aus Eigentherapie, Arztbesuch, gesunder und erfüllender Lebensweise: Das sollte das Ziel sein, das aber nur mit ausreichend Information, Vertrauen in die Ärzteschaft und einem gesunden Maß an Selbsteinschätzung zu realisieren ist.

Schon bei den Versicherungen beginnt der Reigen aus „zu viel“ und „zu wenig“, aus Übertreibung und Geiz, aus Sinn und Unsinn. Manche Menschen versichern sich wirklich nur mit der gesetzlichen Krankenversicherung, andere besitzen mehrere Zusatzversicherungen, die ihnen Chefarztbehandlung, Einzelzimmer und Tagegeld gleich mehrfach sichern. Gleichsam verzichten manche Menschen auf eine zusätzliche Pflegeversicherung, riskieren damit das Wohlergehen im Alter und zugleich den finanziellen Status der Angehörigen – während andere ein Drittel des Jahresgehalts nur für Versicherungen aller Art ausgeben. Mag eine Reiserücktrittsversicherung, die bei Krankheit die Stornogebühren übernimmt, ja gut und schön sein – doch muss die ganzjährig und dauerhaft bezahlt werden, wenn man nur alle paar Jahre in den Urlaub fährt?